Präsenz wird im Managementkontext oft mit „Auftreten“ verwechselt. Doch Präsenz ist weit mehr als Bühnenkompetenz oder ausdrucksstarkes Sprechen.
Psychologisch betrachtet umfasst Präsenz drei Ebenen:
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körperliche Präsenz
– im Körper verankert sein
– Zugang zu Wahrnehmung statt zu Performance -
emotionale Präsenz
– Gefühlskontakt statt Gefühlsunterdrückung
– affektive Resonanzfähigkeit -
mentale Präsenz
– Aufmerksamkeit statt innerer Zerstreuung
– Entscheidungskraft statt Grübelschleifen
Gute Führungskräfte wirken selten, weil sie viel reden —
sondern weil sie klar und anwesend sind.
Warum Präsenz im Alltag verloren geht
Viele Führungskräfte berichten im Coaching, dass sie im Alltag:
• zwischen Entscheidungen springen
• permanent im Kopf sind
• mehrere Ebenen gleichzeitig bedienen
• unter hohem Erwartungsdruck stehen
• für andere verantwortlich sind
Das Nervensystem reagiert darauf mit Aktivierung:
sympathisch (Kampf/Flucht) oder parasympathisch (Überanpassung/Freeze).
In solchen Zuständen wird der Körper meist ausgeklinkt, die Wahrnehmung enger und die Präsenz sinkt.
Der Präsenz-Mythos: „Man muss nur wollen“
In Führungstrainings wird oft suggeriert:
„Präsenz ist eine Frage der Haltung.“
Doch Haltung ist nicht nur mental.
Haltung ist somatisch — sie entsteht im Nervensystem.
Ein Mensch kann nicht einfach „entspannen“, wenn das System in Alarm ist. Präsenz braucht daher Regulation, nicht Disziplin.
Warum Pferde echte Präsenz sofort erkennen
Pferde sind darauf angewiesen, Zustände im Umfeld präzise zu lesen. Als Herdentiere, Beute- und Fluchttiere nehmen sie feinste Signale wahr — weit bevor ein Mensch bewusst reagieren würde.
Sie unterscheiden nicht zwischen:
✔ Rolle
✔ Status
✔ Argument
✔ Expertise
Sie reagieren auf:
✔ innere Spannung
✔ Fokus
✔ Energie
✔ Intention
✔ Atmung
✔ Regulation
Damit werden sie zu einem ehrlichen Biofeedback-System für Führung.
Wie Präsenz im Coaching mit Pferden sichtbar wird
Typische Szenen im Coaching zeigen sehr schnell:
• Wenn ein Mensch im Kopf ist → das Pferd wendet sich ab
• Wenn jemand Druck macht → das Pferd geht auf Distanz
• Wenn jemand unsicher ist → das Pferd bleibt unentschlossen
• Wenn Präsenz entsteht → entsteht Kontakt
Diese Reaktionen sind nicht persönlich, sondern präzise und neutral.
Teilnehmende beschreiben oft:
„Es geht plötzlich nicht mehr um Richtige oder Falsche Strategien – sondern darum, ob ich wirklich da bin.“
Präsenz als Führungsinstrument
Präsenz wirkt sich im Unternehmen unmittelbar aus:
✔ Mitarbeiter fühlen sich sicherer
✔ Entscheidungen werden klarer getroffen
✔ Konflikte deeskalieren schneller
✔ Kommunikation wird eindeutiger
✔ Authentizität steigt
✔ Vertrauen wächst
Präsenz schafft damit relationale Führungskompetenz – eine Fähigkeit, die in modernen Organisationen immer wichtiger wird.
Selbstführung als Grundlage
Wirksame Führung setzt vor allem eins voraus:
Menschen, die sich selbst führen können.
Das schließt ein:
▪ Emotionale Selbstwahrnehmung
▪ Regulation statt Reaktivität
▪ Grenzen statt Überanpassung
▪ Körperkontakt statt Kopfmodus
▪ Verbindung statt Kontrolle
Bei uns im Centrum LIZENZ zum FÜHLEN wird Präsenz daher nicht lehrend vermittelt, sondern erfahrbar gemacht.
Warum Präsenz nicht trainiert, sondern erinnert wird
Präsenz ist keine neue Fähigkeit – sie ist eine ursprüngliche.
Kinder besitzen sie selbstverständlich: Sie sind im Körper, im Gefühl, im Moment.
Der berufliche Alltag konditioniert jedoch oft das Gegenteil:
Funktionieren statt fühlen.
Denken statt spüren.
Handeln statt wahrnehmen.
Die Arbeit mit Pferden eröffnet Zugang zu dieser ursprünglichen Form von Präsenz – ohne Leistung, ohne Bewertung, ohne Maske.